Liebe Züchterfreundinnen, Liebe Züchterfreunde, sehr geehrte Freunde der Rassegeflügelzucht,

 

 

 

Wie in vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen hat die Corona-Pandemie im Jahr 2020 auch auf unseren Landesverband tiefgreifende Auswirkungen gehabt. Die Pandemie hat auch vieles andere auf den Kopf und uns alle vor unerwartete Herausforderungen gestellt. Auf sämtlichen Ebenen mussten wir lernen, uns auf diese neue besondere Situation einzustellen und mit den weitreichenden Einschränkungen umzugehen. Die notwendigen Kontaktbeschränkungen führten dazu, dass bestimmte Formen von Zusammenkünften und Veranstaltungen nur unter strengen Auflagen oder gar nicht stattfinden konnten, so mussten wir unseren für Ende März 2020 geplanten Landesverbandstag in Großenlüder, sowie sämtliche Veranstaltungen der Jugendorganisation absagen. Auch sämtliche Tagungen Bundesweit wurden abgesagt.

 

 

 

Meine Befürchtung, dass wir durch die Pandemie einen erheblichen Mitgliederschwund zu verzeichnen haben, ist zum Glück nicht eingetreten. Wir hatten einen Mitgliederrückgang von 114 bei den Senioren und 2 bei der Jugend zu verzeichnen. Den Abmeldungen von insgesamt 234 Mitgliedern standen 145 Neuanmeldungen gegenüber. Abgemeldet, bzw. aufgelöst haben sich die Ortsvereine RTZV Fulda/Werra mit 17 Mitglieder, der Verein für Park- und Ziergeflügel Niestetal mit 16 Mitgliedern und der GZV Gelstertal-Laudenbach mit 49 Mitgliedern. Dem Landesverband gehören aktuell 2.992 Senioren und 240 Jugendliche in 96 Ortsvereinen in den 6 Kreisverbänden an.

 

Der GZV Gelstertal-Laudenbach hat sich in Kleintier- und Naturschutzverein Gelstertal-Laudenbach umbenannt und wünscht laut deren Vorsitzenden Pategewsky keine weitere Mitgliedschaft in unserer Organisation. Weiterhin wurde von einigen Mitgliedern dieses Vereins der Verein Zwerghuhnzüchter Verein Südhannover gegründet. Vorsitzender des Vereins war unser ehemaliger Zuchtbuchobmann Fabian Widdecke. Aber auch in diesem Verein hat inzwischen ein Wechsel im Amt des 1. Vorsitzenden stattgefunden. Neuer Vorsitzender ist der ehemalige Vorsitzende des Vereins Gelstertal-Laudenbach, Volker Pategewsky.

 

 Der Ringabsatz war im Jahr 2020 mi einem Rückgang von 1.600 Ringen bei den Senioren und 160 Ringen bei den Jugendlichen wiederum leicht rückläufig.

 

 

 

Hatte ich im Sommer letzten Jahres noch die Hoffnung, dass wir zumindest unsere Ausstellungen durchführen konnten, so stellte sich doch sehr schnell mit dem  steilen Anstieg der Inzidenzwerte heraus, dass wir auch unsere Landesverbandsschau in Külte und unsere Landesverbandsziergeflügelschau, sowie die Stamm- und Volierenschau in Kirchhain absagen mussten. Durch die frühzeitige Absage waren noch keine allzu hohen Kosten entstanden, so dass hier nicht Teilbeträge von den Ausstellern einbehalten werden mussten. Auch die vielen von den Ortsvereinen geplanten Vereins- und Allgemeine Schauen, fielen der Pandemie zum Opfer. Wir kamen dadurch vom Show Don in den Lock down. Im gesamten Landesverband konnten lediglich die Vereinsschauen des GZV Hombressen und des KTZV Baunatal, und die Kreisverbandsschau im Kreisverband an der Schwalm unter hohen Auflagen durch die Hygenievorschriften durchgeführt werden. In den anderen Kreisverbänden mussten alle Schauen abgesagt werden.

 

Der Lockdown führte zu einer Einsamkeit, die Jung und Alt gleichermaßen traf. Die sozialen Kontakte sind fast vollständig weggebrochen. Selbst Besuche innerhalb der Familie, also der Kontakt mit Kindern und Enkelkindern wurden auf ein Minimum beschränkt oder war nur mit Abstand und Maske in kleinem Rahmen möglich. In dieser berühungsarmen Zeit fällt unserem Hobby, der Rassegeflügelzucht, eine besondere Bedeutung zu. Beim täglichen Umgang mit unseren Tieren sind eben keine Abstandsregeln zu beachten.

 

 

 

In Lockdown Zeiten der Corona-Pandemie hat die Hühnerhaltung als Hobby einen ungeahnten Boom erlebt. Insbesondere viele junge Familien haben sich Geflügel angeschafft um somit das Ei aus dem eigenen Garten zu erhalten. Das freut uns natürlich, denn je mehr Menschen sich mit Geflügel beschäftigen, umso breiter ist unsere Zunft auch gesellschaftlich aufgestellt - wir haben gesellschaftlichen Rückhalt, der uns auch wieder hinsichtlich gesellschaftlicher Akzeptanz und politischer Wahrnehmung hilft. Allerdings haben längst nicht alle Neueinsteiger alle Probleme, die mit der Haltung von Hühnern verbunden sind, auch wirklich "auf dem Schirm" - das fängt mit der Verpflichtung zur vorbeugenden Schutzimpfung gegen die ND an und geht bei den rechtlichen Regelungen zu Lärmemissionen in Wohngebieten und zu Baumaßnahmen weiter. Da diese rechtlich relevanten Fragen nicht nur die Behörden aktivieren, sondern auch viel Ärger in der Nachbarschaft provozieren können, der gerichtsrelevant werden kann und dann uns alle wieder betreffen könnte, scheint es geboten, solchen Neueinsteigern mit Rat zur Seite zu stehen. Ich bitte daher, in den Vereinen, aber auch bei Anfragen von bisher noch nicht organisierten, die sich für die Haltung von Geflügel interessierenden Leuten auf die baurechtlichen Anforderungen und auf mögliche Konflikte in der Nachbarschaft hinzuweisen, die sich immer besser im Vorfeld regeln lassen als im Nachhinein. Die Petition zu ortsüblichen Emissionen mag hier zwar künftig hilfreich sein, wird aber kaum zur Befriedung des konkreten Einzelfalls eines Nachbarschaftsstreits beitragen. Daher sollten bei Neuanschaffungen früh genug Gespräche mit den Nachbarn geführt werden. Zudem mache ich noch einmal darauf aufmerksam, dass auch die neue Züchterschulung als eine gute Grundlage für Informationen, Info-Veranstaltungen in den Vereinen und als Angebot für Neueinsteiger genutzt werden kann - ein dankbares Aufgabenfeld für die Zuchtwarte in den Kreisverbänden. Schulung ist ein wichtiger Bestandteil im gesamten Lebensprozess und neue Mitglieder aber auch "alte Hasen" sollten hier immer am Ball bleiben.
Mit der Züchterschulung als Ringbuch ist der BDRG einen neuen Weg gegangen, um in zukünftigen regelmäßigen Abständen Neuerungen einarbeiten zu können.
Zudem finden sich viele PowerPoint-Präsentationen und weiteres Material auf einem USB Stick für die Gestaltung von Schulungen ebenfalls anbei. Nutzt die Chancen um neue Mitglieder für unser schönes Hobby, die Rassegeflügelzucht zu gewinnen.

 

 

 

Für 2021 wurden in unserem Landesverbandsgebiet 34 Schauen beantragt. Die hiermit alle genehmigt sind. Ich hoffe und wünsche für uns alle, dass wir die beantragten Schauen durchführen können, und somit auch der Öffentlichkeit wieder einen Einblick in die Rassen- und Farbenvielfalt beim Geflügel geben können.

 

 

 

Die Tierschutzarbeit gewinnt immer mehr an Bedeutung, da sogenannte Tierschützer auf allen Ebenen Stimmung machen. Das gipfelte in einer Aktion der PETA, die Geflügelmärke wegen ihrer Virengefährdung für die Bevölkerung (da der Ausbruch de COVID19 Pandemie in China auf einem Markt mi Tieren zurückzuführen ist) für immer verbieten zu lassen. Hier hat der Deutsche Brieftaubenverband, da es um einen Taubenmarkt in Bayern ging, ein Gutachten beim FLI erwirkt, das eindeutig zu unseren Gunsten ausgefallen ist. Wir müssen uns aber auf kritische Blicke und Einlassung bei unseren Ausstellungen weiterhin gefasst machen. Die gilt sicherlich auch in Bezug auf die Überypisierung bestimmter Rassemerkmale. Daher bleibt es beim bundesweiten Monitoring bei den Ausstellungen und bei einem Obmann für Tierschutzfragen bei allen Bundesschauen. Tiere mit Übertypisierung oder anderen tierschutzrechtlich bedenklichen Merkmalen werden keine Höchstnote mehr erhalten. Der Obmann für Tierschutzfragen kann auch die Korrektur einer solchen Bewertung verlangen.

 

Der Wissenschaftliche Geflügelhof unterstützt uns in diesen Themen. Wir müssen uns aber auch selbst in die Pflicht nehmen. So ist der Umdrehtest für Landenten mit Haube nicht ein lustiger Partyspaß, sondern ist verpflichtend durchzuführen. Neuere Untersuchungen zeigen, dass die Population der nicht gefährdeten Tiere offensichtlich durch Nachlässigkeiten in der Zucht wieder stark nachlässt. Ein Zuchtverbot ist zwar zunächst vom Tisch, jedoch wieder möglich, wenn Züchter dies missachten.

 

Manchmal hat man das Gefühl, dass nur die Rassegeflügelzüchter unter dem Verdacht der Qualzucht stehen. Dem ist nicht so, denn es gibt nun ein sehr interessantes Forschungsvorhaben des WGH in Zusammenarbeit mit dem FLI Mariensee, was sich mit extremen Legefähigkeit (wie bei Legehybriden) beschäftigt. Die Forschungshypotese ist, dass die Gesundheit der Tiere beeinträchtigt wird, da für die Einer dem Knochengerüst zu viele Bestandteile entzogen werden und dies zur Osteoporose (frühzeitige Alterung) führt. Daher wäre eine solch Zucht unter den gültigen Tierschutzgesetzen bedenklich. Bei auftretenden Problemen bitte ich hier doch alle umgehend mit unserem Beauftragten für den Tier- und Artenschutz Prof. Dr. Siegfried Becker Kontakt aufzunehmen.

 

 

 

Nachdem unser Zuchtbuchobmann im vergangenen Jahr nach kurzer Amtszeit seinen Rücktritt erklärt hatte, wurde diese Aufgabe von unserem 2. Vorsitzenden Stefan Blumenstein kommissarisch übernommen. Ich hoffe, dass wir kurzfristig wieder einen Zuchtfreund gewinnen, der sich der Arbeit des Zuchtbuches annimmt. Es würde mich auch freuen, wenn sich wieder mehr Züchter an der Zuchtbucharbeit beteiligen, damit wir bei unserer diesjährigen Landesverbandsschau eine größere Zahl an Volieren und Stämmen in der Zuchtbuchabteilung bewundern können.

 

 

 

Zum Abschluss meines Jahresberichts möchte ich mich bei meinem Vorstandsteam und den Mitgliedern des Landesverbandsbeirates recht herzlich bedanken. Ich bin glücklich und dankbar für das gemeinsame Zusammenwirken und die gegenseitige Unterstützung. Hierfür meinen herzlichen Dank auch an alle, darin eingeschlossen sind auch die Organisationsvertreter auf der Kreisverbands- und Ortsvereinsebene, die uns bei der Arbeit für unser schönes Hobby „die Rassegeflügelzucht“ nach dem Motto „Rassegeflügelzucht – Lebensqualität für Menschen und Tiere“ tatkräftig unterstützen.

 

 

Karl Kahler

 

Landesverbandsvorsitzender